Was ist im Reha-Bereich unter innerer Medizin zu verstehen?

 Unter dem Begriff innere Medizin sind im Bereich des Reha-Sports Erkrankungen der Atemwege und Nieren zu verstehen, ebenso aber auch Diabetes Mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Auch das sogenannte metabolische Syndrom ist hier zuzurechnen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind primär hierbei nicht erfasst.   

Änderung des Lebensstils, Bewegung und Sport bilden neben der medizinischen Behandlung eine zweite Säule der Therapie und führen insgesamt zu mehr Lebensqualität , aber auch zu einem günstigeren Verlauf der Erkrankung.

 Zahlreiche Studien belegen, dass die Effekte von körperlichem Training mit keiner „Pille“ erreicht werden können und schon gar nicht auf dem heimischen Sofa. 

Das Training erfolgt in speziellen Sportgruppen, die durch lizensierte Übungsleiter geführt werden und in denen kein Leistungsdruck besteht. 

Warum Lungensport?  

Patienten mit COPD und anderen chronischen Atemwegserkrankungen kommen unter körperlichen Belastungen relativ schnell in Atemnot, was sie veranlasst, solchen Anstrengungen auszuweichen. Mit diesem Verhalten setzen sie einen Teufelskreis in Gang, der durch Abnahme der körperlichen Kondition zur Verschlechterung ihrer Situation erheblich beiträgt. Mit den gezielten Trainingsmaßnahmen des Lungensports kann diese Negativentwicklung durchbrochen werden.

Regelmäßiger Lungensport in einer qualifiziert geleiteten Gruppe bringt den Patienten viel für ihre Alltagssituation:

  •  Steigerung der Belastbarkeit und Erhöhung der Leistungsfähigkeit (auf jeder Ebene: psychisch, physisch, kognitiv),
  •  Verminderung der Atemnot und Stabilisierung der Erkrankung,
  •  Verminderung der Infektanfälligkeit,
  •  Verbesserung des Allgemeinzustandes,
  •  Erhöhung der Lebensqualität,
  •  Einbindung in eine Gruppe gleichartig Erkrankter und Aufbau neuer Kontakte,
  •  Freude an der Bewegung und Ermutigung, sich in der Freizeit selber sportlich zu betätigen 

Darüber hinaus machen angemessener Sport und Bewegung in einer Gruppe auch jede Menge Spaß und stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

 Was soll mit Lungensport erreicht werden?

 Lungensport hat nichts mit Leistungssport zu tun, Lungensport will niemanden überfordern.  

Beim Lungensport sollen:

  • Atem- und Entspannungstechniken vermittelt werden,
  •  Ausdauer trainiert werden,
  •  Muskelaufbau gefördert werden,
  •  Muskelkraft gestärkt werden,
  •  Koordination der Bewegungsabläufe verbessert werden,
  •  Dehnungsfähigkeit hergestellt bzw. verbessert werden. 

Die Übungen dazu werden dem Alter und dem Schweregrad der Erkrankungen der Gruppenmitglieder angepasst.

In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass bei chronischen Atemwegserkrankungen der Sport genauso wichtig ist, wie die Medikamente.

Alle wichtigen Fakten sind in folgendem Video noch einmal dargestellt:

 

Bewegung und Sport bei Diabetes und metabolischem Syndrom

 Beim Thema Diabetes und Bewegung sind zwei Aspekte von besonderem Interesse. Bewegung und Sport ist für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil der Freizeit. Diabetiker müssen dabei einige Besonderheiten beachten. Daneben wirkt sich regelmäßige Bewegung positiv auf den Stoffwechsel aus und macht Bewegung und Sport neben Ernährungstherapie, einer allgemeinen Veränderung des Lebensstils und Gewichtsoptimierung  zu einem Teil der Therapie bei Diabetes Typ1 und Typ2.

Unter dem metabolischen Syndrom versteht man die parallele Existenz von Insulinresistenz, Adipositas (Fettleibigkeit), Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, auch „Wohlstands-Syndrom“ oder „tödliches Quartett“ genannt. Schon für sich gesehen stellen die genannten Einzeldiagnosen erhöhte Risiken für das spätere Auftreten einer koronaren Herzkrankheit und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) dar. Im Komplex gesehen ist dieses Risiko natürlich deutlich gesteigert. Das Ziel sollte sein, durch Änderung des Lebensstils und Reduzierung von Körpergewicht und Bauchumfang (Männer < 102 cm, Frauen < 88 cm) die Risiken für Folgeerkrankungen zu minimieren.

Körperliche Aktivität senkt den Blutzucker

Durch Bewegung und Sport reagiert der Körper sensibler auf Insulin und es verbessert sich die Zuckerverwertung. Typ 2 Diabetiker können nahezu ohne Einschränkung Sport treiben, allerdings sollten sie sich vorher vom Arzt beraten lassen.   

Typ 2 Diabetiker profitieren besonders stark von körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung - Blutzuckereinstellung, Blutdruck und Blutfettwerte werden deutlich verbessert. Folgeerkrankungen sollen vermieden oder positiv beeinflußt werden. Ca. 80% der Diabetiker erkranken ernsthaft an Gefäßleiden, die wiederum zu Durchblutungsstörungen, zum Herzinfarkt oder auch zum Schlaganfall führen können.

 

 Vor allem Ausdauersport, der Herz-Kreislauf-System und Atmung beanspruchen, ist Diabetikern zu empfehlen.

 In der Gruppe macht Sport noch mehr Spaß und die Motivation ist größer.

 Sport in den Alltag einzubauen bedeutet eine bessere Diabeteseinstellung, ein besserer Fitness-Zustand, mehr Wohlbefinden und eine verbesserte Lebensqualität.

Bewegung und Sport bei chronischer Niereninsuffizienz

Individuell dosierter Sport soll die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten bzw. wieder-herstellen und die krankheitsbedingten Komplikationen reduzieren. Durch vielfältige Bewegungserfahrungen sollen langfristige Verhaltensänderungen (z.B. Integration von mehr Bewegung in das tägliche Leben) erzielt werden, die sich positiv in Alltag, Freizeit und Beruf auswirken, die Selbständigkeit besonders der älteren Patienten fördern und so die Lebensqualität steigern. Die fortschreitende Niereninsuffizienz führt zu einem sehr komplexen Krankheitsbild mit variablem Verlauf. Es entwickelt sich eine Muskelschwäche, es kommt zu Sensibilitäts- und Koordinationsstörungen.

Infolge von Störungen des Mineralhaushaltes kommt es zu einem Umbau der Knochenstruktur und zur Entkalkung der Knochen. Auch die Sauerstoffaufnahmekapazität reduziert sich. Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Säuren-Basen-Haushalts verringern die muskuläre und körperliche Leistungsfähigkeit, insbesondere unter Belastung.

 

 Ziele des körperlichen Trainings

 Das Training bei chronisch Nierenkranken hat seine Schwerpunkte in der Verbesserung von Flexibilität, Koordination, muskulärer Kraft und der kardio-pulmonalen Ausdauer.  

Weitere Ziele sind:

  • Positive Beeinflussung von möglichen Folgeerkrankungen,
  •  Reduktion von Krankenhausaufenthalten,
  •  Einsparung von Medikamenten (z.B. Antihypertonika),
  •  Verbesserung von (Hämo)-Dialyseeffektivität und –ablauf (hypotensive Episoden),
  •  Verringerung der (kardio-vaskulären) Mortalität

 

Trainingswirkungen    

Nach einem regelmäßigen Training mit Nierenpatienten (Prädialysepatienten, Dialysepa-tienten, Transplantierte) konnten folgende Verbesserungen festgestellt werden:

  • Verbesserung der Dialyseeffektivität: Anstieg der Harnstoff- und Phosphatclearance,
  •  Körperliche Leistungsfähigkeit,
  •  Steigerung der Flexibilität, Kraft, Koordination und Ausdauer,
  •  Positive Beeinflussung der renalen Anämie,
  •  Normalisierung der Muskelstruktur,
  •  Vermehrte Kapillarisierung und Anstieg der Mitochondrienzahl,
  •  Herz-Kreislauf-System,
  •  Anstieg der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität,
  •  Senkung der Ruhe-Herzfrequenz und der Herzfrequenz unter submaximaler Belastung,
  •  Verringerung der linksventrikulären Hypertrophie,
  •  Senkung des Blutdrucks bei arterieller Hypertonie,
  •  Senkung erhöhter Triglyceridkonzentrationen, Anstieg der HDL-Konzentration,
  •  Verbesserung der Herzfrequenz-Variabilität und -Rhythmizität,
  •  Verbesserungen der Lebensqualität,
  •  Steigerung des psychischen Wohlbefindens